Dr. Joachim Fricke, ein Architekt der Partnerbrücke nach Tansania

Gedenken an Herrn Dr. Jochen Fricke, der am 17. Januar 2018 verstorben ist.

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“ Die Sätze aus dem biblischen Buch der Sprüche (31, 8-9) waren der Auftrag, den Dr. Joachim Fricke zusammen mit seiner Frau gehört und befolgt hat. Auf der Kanzel der Jesaja-Kirche, im Kirchenvorstand und als einer der Pioniere der ökumenischen Partnerschaft mit dem tansanischen Dekanat Makambako und der Gemeinde Mawande, haben wir ihn so erlebt: denen, die keine Lobby haben, eine Stimme geben, und den Bedürftigen zu ihrem Recht verhelfen. Für das Ehepaar Fricke war das nicht etwa ein Hobby, sondern eine Verpflichtung. So haben sie ihr Christsein verstanden.

Dr. Fricke war von Anfang an dabei, als der ebenfalls jüngst verstorbene Dekan von Makambako Aaron Mapima Mgovano zusammen mit Waldemar Fischer (damals Njombe, Tansania) und Paul Gerhard Diez (Vaterunserkirche) Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts damit begannen, eine Partnerbrücke ins südliche Tansania zu bauen. „Brot für die Welt“ sollte konkret und gemeindenah gelebt werden. Dr. Fricke gehörte selbstverständlich auch zu denen, die im früheren Prodekanat München-Ost einen Partnerschaftsausschuss bildeten, der mit den Jahren ein Netz aus Gemeindepartnerschaften knüpfte. Dabei stand für ihn stets die Förderung der Gemeinde Mawande, ihrer Schule und ihrer Krankenstation auf der Tagesordnung, aber ebenso auch die Arbeit in den Dekanaten Makambako und Ilembula: Handwerkerschule, ein Waldprojekt, die Schwesternschule, die Mädchenoberschule in Emmaberg usw.

Dr. Fricke hat wohl mehr als andere gespürt, dass es entscheidend wichtig ist, statt einer wohlmeinenden Patenschaft die Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“ als Partnerschaft zu gestalten. Die Initiative für Planungen sollte bei beiden Partnern liegen. Statt mildtätiger Hilfe, der leicht etwas Herablassendes anhaftet, sollte es um Gerechtigkeit gehen. Dabei haben die Frickes selbst durchaus hohe Summen aufgebracht und unermüdlich andere zum persönlichen Einsatz ermutigt. Sie gingen beispielhaft voran. Immer wieder ist Dr. Fricke selbst nach Tansania gereist. Er wusste, dass es für die Afrikaner auf persönliche Beziehungen ankommt, um Vertrauen aufzubauen.

Als Dr. Fricke in der Jesajakirche vor Jahren seine Aufgaben in jüngere Hände abgab, habe ich ihm einen Stein geschenkt. Ich hatte ihn einst in Tansania vom Weg aufgelesen und daraus eine Predigt gemacht: „Einst habt Ihr uns Weiße als hart und verletzend erlebt. Wir danken Euch, dass wir heute Eure Geschwister sein dürfen. Jetzt wollen wir mit vereinten Kräften aus solchen Steinen Brücken und Häuser bauen.“ Joachim Fricke war einer der Architekten dabei. Wir werden nicht aufhören, ihm dankbar zu sein.

 

Friedrich Eras, vormals Missionspfarrer im Prodekanat München-Ost

 

 

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© Stefan Pesth